5000 Meilen von zu Haus...

Ich sitze in meiner Bibliothek, lese im Wirtschaftsteil der Tageszeitung. Mit einem Ohr  höre ich einen Oldie im alten, krächzenden Dampfradio. Freddy singt - läßt mich aufhorchen…

SCHON ALS ICH EIN JUNGE WAR,
WAR ICH MIR DARÜBER KLAR,
NUR AN EINEM ORT ZU SEIN,
HALT ICH NICHT AUS,

Ich lege die Zeitung beiseite, setze die Brille ab und hole tief Luft.

ICH LAS BÜCHER TAG UND NACHT,
UND HAB MIR DABEI GEDACHT,
ICH WÄR FÜNFTAUSEND MEILEN VON ZU HAUS,

Oh Gott, da fällt mir alles wieder ein. Oh Mann, über 30 Jahre ziehen im Geiste an mir vorbei. Zurück in eine teilweise vergessene, oder soll ich sagen, verdrängte, aber nicht verlorene,  Vergangenheit.

ACH WÄR ICH DOCH NUR SCHON HEUT,
IRGENDWO, UNENDLICH WEIT,
WÄR ICH FÜNFTAUSEND MEILEN VON ZU HAUS,

Das Lied ist der Schlüsselreiz, der alle Erinnerungen auf einen Schlag zurückkommen läßt. Du meine Güte, was war ich damals jung. Voller Elan, frei, ungebunden. Gott, was kostet die Welt. Jederzeit bereit, in die große, unbekannte Ferne hinauszuziehen.  
Längst habe ich in Gedanken das Zimmer verlassen, ziehen im Geiste wiedererwachte Bilder vor meinem Auge entlang. Ich sehe mich wieder am Airport von Sidney stehen. 24 Jahre jung, lange Haare, den Koffer in der Hand, mit klopfenden Herzen auf meine Cousine wartend. Endlos erscheinende Minuten später fallen wir uns in die Arme.

Was war das eine Zeit. Linksverkehr, unbekannte Welt, neue Pflanzen, Menschen, Tiere… Ein gutes Jahr bin ich geblieben, obwohl es nur 6 Monate sein sollten. Nur wenige Gründe, ich weis gar nicht mehr welchen, haben mich daran gehindert, für immer da zu bleiben.


NUN HAB ICH SO VIEL GESEH'N,
WOHIN SOLL ICH JETZT NOCH GEH'N,
ICH BIN EINSAM UND ALLEIN,
TAGEIN, TAGAUS,
DENN AUF JEDEN SCHRITT UND TRITT,
ZIEHT DAS HEIMWEH MIT MIR MIT,
ICH BIN FÜNFTAUSEND MEILEN VON ZU HAUS,
UND ICH WÜNSCH' MIR, ICH WÄR HEUT,
NICHT SO WEIT, UNENDLICH WEIT,
WÄR NICHT FÜNFTAUSEN MEILEN VON ZU HAUS,
WÄR NICHT FÜNFTAUSEN MEILEN VON ZU HAUS.

Dieser Oldie, ein Evergreen, paßt genau zu meinem Leben – bis auf den Schluß!

Ich bin nicht einsam, habe eine liebe Frau, eine reizende Tochter - bin in der Heimat. Doch manchmal, ja da packt mich noch das Fernweh. Aber nur so ein bißchen. So daß es nicht weh tut, sondern mich nur träumen läßt. Und in diesen Momenten schreibe ich solche Zeilen. Nicht mit Wehmut im Herzen, sondern mit leise träumenden Erinnerungen an ein erfülltes, hoffentlich noch lange währendes, Leben.

ACH WÄR ICH DOCH NUR SCHON HEUT,
IRGENDWO, UNENDLICH WEIT,
WÄR ICH FÜNFTAUSEND MEILEN VON ZU HAUS...
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