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Die Puppen des Herrn K. - von Hardy Kern(Humor)
Ein schnittiger Flitzer mit dem Markenzeichen Blau-Weiß hält vor einem großen Haus. Ein älterer Herr, mit Namen Herr K. steigt aus. Er kommt von einem längeren Aufenthalt aus dem Ausland zurück. Mit seinen, nun schon 60 Jahren hat er sich mit einem grauen Haarersatzteil und einer Sehhilfe bewaffnet. Ein schmuckes, schwarzgefärbtes Menjou-Bärtchen ziert seine Oberlippe, in der sich immer ein eigenartiges Schmunzeln bewegt. Herr K. öffnet den Kofferraum und befördert 2 große Taschen heraus. Langsam steigt er die Treppe zu seiner Hauseingangstür hinauf. Er holt die Hausschlüssel aus der Tasche und schließt die Tür auf, stellt seine Taschen im Flur ab. Leichter muffiger Geruch stört seine Nasenflügel. Im großen Flur öffnet er einige Fenster und geht zum Auto zurück. Er wirft einige prüfende Blicke in die Nachbarschaft und stellt fest, dass wohl alles in Ordnung ist.
Dann nimmt er liebevoll aus dem Kofferraum eine große, bunte Pappschachtel, klemmt sich diese unter den Arm und geht ins Haus zurück. Nach einer Besichtigung des Hausinneren kommt er an ein Zimmer, dessen Tür eigenartig gestaltet ist. „Erinnerungen“ steht dort mit großen, farbigen Buchstaben in das Holz gebrannt. Herr K. nimmt einen Schlüssel und öffnet die geheimnisvolle Tür. Dann steckt er sich gemütlich eine Zigarre an und geht zurück, um die große Schachtel zu holen. Als er zurück kommt , pfeift er, so in etwa die Melodie, wie „Ännchen von Tarau“. Er geht durch ein riesiges Zimmer bis zu den Fenstern. Vorsichtig schiebt er die Vorhänge, geschneidert aus Goldbrokat, zurück, so dass das Licht die Pracht des Zimmers in seiner vollen Schönheit zeigen kann. Ein langer Tisch aus Edelholz, bestückt mit blau-weißem Porzellan, die Goldränder und blaue Schwerter zieren, nimmt den Großteil des Zimmers ein. Um den Tisch stehen gedrechselte, hell lackierte Stühle, die wohl ihresgleichen suchen müssten. Eine Wand ist behängt mit wunderschönen Bildern, die gegenüber liegende Wand wird von einem antiken Prunkschrank bedeckt, in dem wahrscheinlich, kostbare Bücher und Schriften auf den Leser warten. Einige Kommoden und Sekretäre, bestückt mit Nippes und dazu gehörige Bestuhlungen verleihen dem Betrachter eine gelungene Einheit von Schönheit. Zwei Lüster hängen protzig von der Decke und provozieren den Betrachter ob ihres Pomps. Genüsslich betrachtet Herr K. seine Reichtümer und schmunzelt. Dann geht er in eine große, dunkle Ecke, nimmt ein Streichholz und zündet einige Kerzen an. An einer Wand im Hintergrund, ein großes Engelsbild in dem diese lustigen, undefinierbaren Gestalten durch die Lüfte schwirren. Davor ein altes Sofa, aber was für eins. Mit Gold und Silber bestickt, an den Rändern der Samtlehnen mit Edelsteinen und Perlen benäht, lacht es Herrn K. an. Auf dem alten Sofa befindet sich sein ganzer Stolz, hier sitzen sie, seine Puppen, alle wundeschön nebeneinander hingesetzt und eine ist hübscher und schicker als die andere. Herr K. baut sich stolz wie ein Pfau vor ihnen auf und mustert sie. Viele Jahre hat er diese prächtigen Geschöpfe gesammelt. Im Laufe der Zeit sind es über 100 Stück geworden und er hat für jede einen Platz auf seinem Sofa und in seinem Herzen gefunden. Jede Püppi hat einen Namen und die hat er dann, auf goldverzierte Kärtchen geschrieben, ihnen umgehängt. So kennt er sie alle und kann sie richtig ansprechen, dass er sie nicht verwechselt und die anderen Damen nicht eifersüchtig werden. Da ist seine Erste, die Gitte, die hat er schon mit 17 ergattert. Sie sieht Herrn K. misstrauisch an, weil sie weiß, der hat wieder was ausgeheckt. Auch die anderen Damen sehen nicht gerade erfreut aus, denkt sich Herr K. Egal. Er setzt sich auf das schicke Sofa und packt seine bunte Schachtel aus. Eine langhaarige, blonde Schönheit kommt zum Vorschein, die, wie es scheint, von den anderen sehr neugierig gemustert wird. Herr K. holt hinter dem Sofa eine kleine Haarbürste hervor und kämmt der Blonden zärtlich das Haar. Er zupft ihr das Kleid noch zurecht, nimmt sie und geht die Parade der Damen ab. Eigentlich hatte Herr K. gedacht, seine Damen würden ihn lächelnd begrüßen, aber an deren Blicken kann er feststellen, dass sie keine Neue haben wollen. Aber was stört das schon Herrn K.? Er hängt der Neuen ein Namensschild um und sagt, das wäre die Neue, sie heißt Regina und sie sollten sich alle vertragen. Dann gibt er ihr einen Kuss, setzt sie neben sich und raucht. Was ist das? Regina streichelt die Hand des Herrn K. und flüstert ihm liebe Worte zu, so das der fast zu Tode erschrickt. Eine Puppe die spricht und streichelt? Teufelswerk. Ein vielstimmiger Schrei, stammend aus sämtlichen Kehlkopftönen von hysterischen Weibern, schallt grauenvoll durch das große Zimmer. Plötzlich fängt das Sofa an zu wackeln und alle Puppen werfen sich auf Herrn K, als wollten sie ihn fressen. Sie wollen auch geliebt werden, kreischen sie im vielstimmigem Chor. Herr K. will in großer Panik abhauen, aber er kommt und kommt nicht weg. Verzweifelt versucht er diese Geschöpfe weg zu drängen. Im Unterbewusstsein registriert er noch, dass die schon immer so geil waren. Aber das ist doch lange vorbei, fleht er. Er schlägt mit den Armen um sich, aber schafft es nicht, er kann sie doch alle nicht schaffen... Nicht mehr. „Kaaarl, willste nich endlich ma offstehn? Los bäweje dich. Waschen, rasiern, friehstücken, nu mache ma hin, du Pennesack. Kommt eenen ja de Nacht übbern Hals mit den Kerl. Karl seufzt, wie so oft und kommt eifrig den Befehlen seiner echten Puppe nach. |
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