Gewitterflug mit Hagelschlag!

der nackte Horror...

Nie wieder solch einen Sitznachbarn...

 

Der Mann neben mir schwitzte Wasser und Blut. Dabei  saßen wir noch gar nicht richtig. Die letzte Personen stiegen zu und besetzten ihre Plätze. Ich schnallte mich an. Dem hilflosen Blick meines Nachbarn richtig interpretierend, fragte ich ihn, ob ich ihm behilflich sein könne. Sein blasses, verschwitztes Gesicht bewegte sich nach oben und unten. Die Stimme schien ihm zu versagen. Und dabei war noch nichts passiert. Die Türe war ja noch nicht einmal geschlossen.
Oh je, denke ich so bei mir. Sicher wieder einer, der zum ersten Mal in solch einer Maschine sitzt. Hoffentlich kotzt er nicht die Bude voll. Da aber alle Plätze besetzt waren, hatte ich auch keine Chance, den Sitzplatz zu wechseln. Ich resignierte und ergab mich in mein Schicksal. Warum immer ich? Irgendwie zog ich solche Leute an. Die Türe wurde geschlossen, das Licht flackerte. Warum?! Ein Summen und Brummen ließ die Maschine zum Leben erwachen. Ein erstes kleines Vibrieren ging durch die Statik. Ein Zeichen dafür, daß es langsam los ging.
Mittlerweile hatten sich die einzelnen Schweißtropfen meines Nachbarn in einen wahren Sturzbach verwandelt. Er fing an, unangenehm zu riechen. Sein Hemd zeigte einen ordentlichen Schweißfleck unter der Achsel. Oh Gott, gleich kippt er vorüber. Ach nein, kann ja nicht sein. Durch die Beschleunigung würde er wohl eher in den Sitz gepreßt werden. Oh Mann, wenn er dann kotzt…
Die Aircondition schien auch nicht richtig zu funktionieren. Es war tatsächlich etwas stickig hier drin.



Doch jetzt gab es kein Zurück mehr. Man konnte richtig sehen, wie es aufwärts ging. Da wir im hinteren Bereich saßen, waren die vorderen Sitze weit oben, was den Angstfaktor meines Nachbarn wohl noch verstärkte.
„Keine Sorge, da passiert nichts.“ Ich versuchte ihn zu beruhigen. Was sollte ich auch sonst machen? Mich vollkotzen lassen? Er nickte nur tapfer und schwieg. Vielleicht traute er sich auch nicht, den Mund aufzumachen, in der Angst, dass dann sein Mageninhalt oben heraus schwappen würde.
Ein kräftiges Ruckeln ging durchs Gebälk. Mein Magen hopste mal nach oben, mal nach unten. Als alter Flieger genoß ich diese Situation, bekam aber größte Bedenken, wenn ich an meinen Nachbarn dachte. Seine Blässe würde man in der Werbung, als „weißer als Weiß“ bezeichnen. Seine Hände hatten sich um die Armlehnen gekrallt. Seine Fingerknochen stachen weiß hervor. Ich war der Überzeugung, daß er in seiner unbändigen Angst eine Kraft hatte, um Eisenstangen zu verbiegen. Die Lehnen schienen aber zu halten. Es war heute wirklich nicht friedlich hier. Es schüttelte und ruckelte...


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