Laß die Sonne wieder scheinen

so sang es Ronny schon 1967

Wintergedanken von Sir Charles Blackwood

Während ich meinen Kaffeepot mit duftenden, heißen Wildkaffee, dem starken schwarzen Wachmacher aus Kaffa in Äthiopien, fülle, mich insgeheim schon auf den gleich folgenden Genuß freue, fällt mein Blick hinaus aus dem Fenster, folgt dem müden Schlag der vorbeifliegenden Elster, um auf den Schneebergen an der Hecke einzuhalten. Wieviel Wochen haben wir dieses Jahr schon damit zu kämpfen? Ich kann es nicht sagen. Es müssen Ewigkeiten sein.
Tief atme ich ein, lasse die Luft langsam wieder aus meinem Brustkasten entweichen. Und dann in wenigen Wochen umziehen… Konnte ja keiner wissen, das dieses Jahr das Jahr der Schneeberge und von Väterchen Frost ist. Bevor ich in eine Winterdepression falle, horche ich auf!

Laß die Sonne wieder scheinen
Jeder Tag ist ein Tag voll Sonne und Glück,

Ja, da höre ich doch tatsächlich aus dem Lausprecher meines alten Dampfradios die Stimme von Ronny erklingen.

wenn du mich, du mich küßt.
Doch die Welt wird so grau und die Sonne versinkt,
wenn du nicht, du nicht bei mir bist.

Wie lange ist es her, daß ich diesen Titel zuletzt hörte – Ewigkeiten!

Laß die Sonne wieder scheinen.
Laß die Wolken weiterzieh'n.
Laß die Tränen and're weinen.
Und die Welt wird wieder schön.

Fern ist mir der Sinn nach dem eigentlichen Thema - der Message des Liedes. Einfach nur die Sonne hat es mir angetan. Sonne: wie sieht die noch aus? Wage Erinnerungen packen mich. Ohne es mir bewußt zu sein, werden meine Bewegungen schneller, gezielter, schwung- und kraftvoller. Ich brauche sie jetzt und sofort – Sonne!
Also schnell den Arbeitsplatz auf dem Rechner aufgemacht, die Festplatte mit den tausenden von Fotos und Erinnerungen aufgemacht und in den letzten Sommer geklickt. Nein, es ist schon fast Herbst hier in Old Germany in dem angeklickten Ordner, dem Folder des PCs. Ich war zu der Zeit in Down Under bei meiner Cousine in Melbourne. Zusammen mit meiner Frau litten wir unter der Sonne und dieser wahnsinnigen Hitze. Was habe ich mich damals nach Schnee, nach Eis und Frost in Old Germany gesehnt. Ich muß lächeln, nein laut loslachen. Kann man es denn mir nie denn recht machen?
 
Wenn ich fern bin, so fern, irgendwo in der Welt,
dann träum ich, dann träum' ich nur von dir.
Bist du heut' auch allein. Einmal komm ich zurück.
Oh Darling, Darling, glaub' es mir.

Laß die Sonne wieder scheinen.
Laß die Wolken weiterzieh'n.
Laß die Tränen and're weinen.
Und die Welt wird wieder schön.

Während die letzten Töne des alten Schlagers verklingen, verbrenne ich mir die Lippen an dem heißen Kaffee. Ach, was soll’s… heute ist mir alles egal. Aber etwas Sonne könnte schon sein. Nicht übertrieben viel, doch soviel, daß es das Herz erwärmt und den Schnee wegtaut. Die Schneeglöckchen haben ja sonst gar keine Chance.
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